Was Sätze wie  "Du schaffst das", "Ich bin stolz auf Dich" und "Das hast Du Dir verdient" bedeuten und auslösen können.

Die Macht von Worte. Was sie auslösen und bedeuten können

Drei Sätze, die mehr auslösen können, als wir denken und sie gehen mir seit einiger Zeit immer wieder durch den Kopf: Sie sind mir gerade kürzlich in der Praxis wieder begegnet: „Du schaffst das.“

„Ich bin stolz auf dich.“  

„Das hast du dir verdient.“  Drei Sätze, die wir wahrscheinlich alle kennen.


Drei Sätze, die mehr auslösen können, als wir denken


Sätze, die uns im Laufe unseres Lebens begegnen. In Gesprächen. In der Familie. In Beziehungen. In der Schule. Im Berufsleben. In der Therapie. Auf Karten. In Kalendern. In Büchern. In Social Media. Vielleicht auch als gut gemeinte Nachricht auf dem Handy.


Und vermutlich haben die meisten Menschen diese Sätze schon sehr oft gehört.

Ich selber verwende diese drei Sätze nicht.

Sie gehören nicht zu meiner Art, mit Menschen zu sprechen.


Und vielleicht fällt mir deshalb so deutlich auf, was in diesen Worten steckt und welche unterschiedlichen Ebenen sie haben können.

Denn ich beschäftige mich schon lange mit Worten.


Mit ihrer Bedeutung.

Mit ihrer Wirkung.

Mit der Magie von Worten.

Und mit dem, was manchmal zwischen den Worten liegt. ✨


Ein Satz kann auf der einen Ebene etwas ganz anderes sagen als auf einer anderen.

Da steht beispielsweise:


„Du schaffst das.“


Das klingt erst einmal motivierend.

Mut machend.

Unterstützend.


Und trotzdem kann bei dem Menschen, der diesen Satz hört, etwas vollkommen anderes ankommen.

Vielleicht entsteht Kraft.

Vielleicht entsteht Zuversicht.

Vielleicht ein Gefühl von: Da glaubt jemand an mich.


Es kann aber auch Druck entstehen.

Oder Einsamkeit.

Oder das Gefühl:

„Ich muss das schaffen.“


Diese Unterschiede interessieren mich.

Denn wir können niemals allein anhand der Wörter entscheiden, was bei einem Menschen ankommt.

Der Zusammenhang spielt eine Rolle.

Die Beziehung.

Die Situation.

Die Vorgeschichte.

Der Tonfall.

Die Körpersprache.


Und natürlich auch die eigenen Erfahrungen, die jeder Mensch mit solchen Sätzen gemacht hat.

Trotzdem tragen Worte für mich eine bestimmte Qualität in sich.

Und manchmal nehme ich diese Qualität nicht nur gedanklich wahr.


Ich sehe sie.

Ich fühle sie.

Es entstehen Bilder.

Farben.

Formen.

Eine Art innerer Raum.


Das gehört zu meiner Wahrnehmung und zu meinem synästhetischen Denken. 🌈✨


Und deshalb möchte ich heute einmal mit Dir durch diese drei Sätze gehen.

Ich möchte dabei nicht entscheiden, ob sie generell gut oder schlecht sind.


Oder jemandem vorzuschreiben, welche Worte er verwenden darf.

Ich möchte einmal genauer hinzuschauen.

Was passiert eigentlich, wenn wir diese Worte hören?

Was lösen sie aus?

Und was könnte möglicherweise noch dahinterliegen?



„Du schaffst das.“


Fangen wir mit dem Satz an, der mir persönlich schon seit meiner Kindheit begegnet.

„Du schaffst das.“


Ich kenne diesen Satz aus ganz unterschiedlichen Lebensphasen.

Als Kind.

Als Jugendliche.

Als junge Erwachsene.

Und auch heute taucht er immer wieder auf.


Und wenn ich ganz ehrlich auf meine eigene Wahrnehmung schaue, hat dieser Satz für mich einen eher negativen Touch.

Das heißt nicht, dass ich davon ausgehe, dass derjenige, der ihn ausspricht, etwas Negatives vermitteln möchte.

In sehr vielen Situationen soll dieser Satz wahrscheinlich Mut machen.

Motivieren.

Hoffnung geben.


Sagen:

Ich glaube an Dich.

Ich traue Dir das zu.

Du bist stärker, als Du vielleicht gerade denkst.


Das kann alles darin stecken.

Und trotzdem gibt es für mich eine zweite Ebene.


Denn „Du schaffst das“ ist eine Bewertung.

Eine Bewertung der Fähigkeit des anderen Menschen.


Jemand von außen beurteilt:

Du kannst das.

Du wirst das schaffen.

Und damit ist gleichzeitig ein Ergebnis vorgegeben.

Du schaffst es.


Was passiert aber, wenn der Mensch, der diesen Satz hört, gerade selbst überhaupt nicht weiß, ob er es schaffen kann?

Wenn er Angst hat?

Wenn er erschöpft ist?

Wenn er sich hilflos fühlt?

Wenn er gerade keine Lösung sieht?

Wenn er vielleicht sogar genau in diesem Moment jemanden braucht, der einfach einmal zuhört?

Dann kann dieser Satz etwas ganz anderes auslösen.


Dann kann aus

„Du schaffst das“

innerlich werden:

„Ich muss das schaffen.“


Und plötzlich verändert sich die Energie.

Da ist nicht mehr nur Ermutigung.

Da ist auch Erwartung.

Und möglicherweise Druck.


Vielleicht sogar das Gefühl:

„Es gibt keine andere Möglichkeit.“

„Versagen ist keine Option.“

„Ich muss alleine damit klarkommen.“


Hier wird es für mich spannend.

Denn der Satz selbst enthält kein ausdrückliches Angebot.

Er sagt nicht:

Ich bin da.


Er sagt nicht:

Was brauchst Du?


Er sagt nicht:

Möchtest Du darüber sprechen?


Er sagt nicht:

Kann ich Dich unterstützen?


Er sagt einfach:

Du schaffst das.


Und damit kann der Satz – je nach Situation – auch etwas Abschließendes bekommen.

Wie eine Tür, die sich schließt.

🚪


Vielleicht kommt jemand mit einem Gefühl.

Mit einer Angst.

Mit einem Zweifel.

Mit einer Enttäuschung.

Mit einer Überforderung.


Vielleicht braucht dieser Mensch überhaupt keine Lösung.

Vielleicht möchte er einfach erzählen.

Vielleicht möchte er gehört werden.

Vielleicht möchte er für einen Moment nicht alleine mit dem sein, was gerade in ihm passiert.


Und dann kommt:

„Du schaffst das.“

Zack.

Tür zu.

🚪

So fühlt sich dieser Satz für mich manchmal an.



Was passiert eigentlich im Gegenüber?


Und hier kommt für mich ein ganz wichtiger Punkt.

Denn wenn jemand mit seinen Sorgen, Ängsten oder schwierigen Gefühlen zu einem anderen Menschen kommt, passiert nicht nur beim Erzählenden etwas.

Auch derjenige, der zuhört, wird berührt.

Wenn uns ein Mensch wichtig ist und wir spüren, dass es ihm nicht gut geht, nehmen wir etwas davon wahr.


Wir hören nicht nur seine Worte.

Wir sehen vielleicht seine Körperhaltung.

Wir hören die Stimme.

Wir spüren seine Traurigkeit.

Seine Angst.

Seine Wut.

Seine Hilflosigkeit.

Seine Enttäuschung.



Und wenn wir wirklich in Kontakt mit diesem Menschen sind, kann das natürlich auch etwas in uns selbst auslösen.

Wir kommen mit unseren eigenen Emotionen in Kontakt.

❤️


Vielleicht entsteht Mitgefühl.

Vielleicht Sorge.

Vielleicht Angst.

Vielleicht Hilflosigkeit.

Vielleicht erinnert uns das, was der andere erzählt, sogar an eigene Erfahrungen.

Vielleicht wird etwas in uns berührt, das wir selbst noch gar nicht richtig angeschaut haben.


Hier kann es schwierig werden.

Denn wenn wir selbst wenig Kontakt zu unseren eigenen Gefühlen haben, kann es schwer sein, auszuhalten, dass da plötzlich so viel Emotion im Raum ist.


Dann entsteht möglicherweise ein Impuls:

Mach etwas.

Löse das Problem.

Gib einen Rat.

Sag irgendetwas, damit es wieder besser wird.

Und manchmal kommt dann eben:

„Du schaffst das.“


Vielleicht gar nicht aus Kälte.

Vielleicht aus Hilflosigkeit.

Vielleicht sogar aus dem Wunsch heraus, dem anderen Menschen schnell zu helfen.

Denn wenn ich sage:

„Du schaffst das“

habe ich selbst auch wieder einen gewissen Abstand.


Das Problem liegt wieder beim anderen.

Der andere schafft das.

Der andere bekommt das hin.

Und ich kann einen Schritt zurückgehen.

Das kann unbewusst eine Art Selbstschutz sein.

Denn wenn ich mich wirklich auf den anderen Menschen einlasse, muss ich vielleicht auch spüren, was das alles in mir auslöst.

Und das kann manchmal ziemlich viel sein.

😮‍💨


Vielleicht kommen eigene Ängste hoch.

Vielleicht alte Erinnerungen.

Vielleicht das Gefühl, selbst nichts tun zu können.

Vielleicht eine Hilflosigkeit, die man kaum aushält.


Und wenn wir unsere eigenen Gefühle nicht gut wahrnehmen oder regulieren können, kann ein kurzer Satz wie „Du schaffst das“ zu einem schnellen Ausweg werden.

Ein Satz.

Eine Antwort.

Und danach ist das Gespräch scheinbar beendet.



Das Burgtor


Bei diesem Gedanken entsteht bei mir immer wieder dieses Bild einer Burg. 🏰

Stell Dir vor, da kommt jemand zu Dir.

Er steht vor Deiner Burg.

Er erzählt Dir etwas.

Vielleicht etwas sehr Persönliches.

Vielleicht etwas, das ihn gerade beschäftigt.

Und Du bist in Deiner Burg.

Du hörst ihm zu.


Und dann sagst Du:

„Du schaffst das.“

Und plötzlich geht das große Tor herunter.

KLACK.

🏰⬇️

Tor zu.

Der andere steht draußen.

Und Du bist wieder in Deiner Burg.

Alles ist wieder ordentlich.

Alles ist wieder ruhig.

Das Gespräch ist beendet.

Das Gefühl ist scheinbar erledigt.

Und vielleicht ist das die Energie, die ich bei diesem Satz manchmal wahrnehme.


Eine Art:

„Du kriegst das schon hin.“

„Das ist Deine Sache.“

„Ich kann oder möchte mich damit jetzt nicht weiter beschäftigen.“


Ob das tatsächlich die Absicht des Menschen ist?

Das kann ich nicht wissen.

Und darum geht es mir auch nicht.

Ich beschreibe hier meine Wahrnehmung.


Denn Worte können Doppelbotschaften tragen.


Auf der einen Seite steht:

„Du schaffst das.“

Das klingt motivierend.


Auf der anderen Seite kann emotional etwas ankommen wie:

„Du musst das alleine hinkriegen.“

Und diese beiden Botschaften können gleichzeitig existieren.



Meine innere Wolke


Wenn ich den Satz innerlich als Bild betrachte, sehe ich eine Wolke.

Oder besser gesagt:

Eine Sprechblase.

Wie aus einem Comic. 💬

„Du schaffst das.“


Diese Wolke ist für mich klar umrissen.

Bläulich.

Graublau.

Flach.

Fast zweidimensional.

Wie auf ein Blatt Papier gemalt.

Und dieses Blatt wird zwischen zwei Menschen gehalten.

Da steht der Satz.

Und plötzlich ist da etwas zwischen den beiden.

Eine Grenze.

Eine Barriere.

Eine Blockade.

Der Satz ist nicht weich.

Er fließt für mich nicht richtig.

Er steht da.

Fest.

Klar.

Abgeschlossen.


Und genau deshalb fühlt sich „Du schaffst das“ für mich manchmal so an, als würde eine Verbindung unterbrochen.

Nicht zwingend, weil der Mensch das möchte.

Sondern weil die Aussage den Raum bereits festlegt.


Du schaffst das.

Damit ist eigentlich alles gesagt.

Oder?

Vielleicht eben nicht.



Was wäre, wenn der Mensch es gerade nicht schaffen muss?


Für mich verändert sich etwas ganz wesentlich, wenn die Möglichkeit bestehen bleibt, dass ein Mensch etwas nicht schaffen muss.


Dass er gerade nicht weiß, wie es weitergeht.

Dass er Unterstützung braucht.

Dass er vielleicht einen anderen Weg findet.

Dass er es anders macht.

Oder dass er erst einmal gar nichts macht.

Denn manchmal ist das Wertvollste überhaupt, was zwischen zwei Menschen entstehen kann:

Ich bin nicht alleine.

❤️

Nicht:

Ich muss das schaffen.


Sondern:

Da ist jemand.

Und plötzlich kann etwas ganz anderes entstehen.


Vielleicht kommt der Mensch irgendwann selbst an den Punkt:

„Ich schaffe es.“

Aber dann ist es seine eigene Erkenntnis.

Sein eigener Satz.

Seine eigene Kraft.

Und vielleicht sogar:

„Ich schaffe es anders.“


Das finde ich spannend.

Denn manchmal müssen nur ein paar Wörter verschoben werden, und schon verändert sich der gesamte Raum.



„Ich bin stolz auf dich.“


Der zweite Satz ist:

„Ich bin stolz auf dich.“


Auch diesen Satz kennen vermutlich sehr viele Menschen.

Und auch dieser Satz wird häufig liebevoll verwendet.

Er kann Anerkennung ausdrücken.

Freude.

Verbundenheit.

Zuneigung.

Vielleicht sogar tiefe emotionale Nähe.

Und trotzdem steckt auch hier eine Bewertung darin.


Denn der Satz beginnt mit:

Ich bin stolz.

Das bedeutet:

Der Sprecher beschreibt zunächst sein eigenes Gefühl.

Ich bin stolz auf dich.


Und damit entsteht eine interessante Verschiebung.

Denn vielleicht hat die andere Person gerade etwas erzählt.

Vielleicht hat sie etwas geschafft.

Vielleicht hat sie einen schwierigen Weg hinter sich.

Vielleicht hat sie eine Entscheidung getroffen.

Vielleicht ist sie selbst stolz auf sich.

Vielleicht ist sie glücklich.

Vielleicht erleichtert.

Vielleicht einfach nur froh.


Und dann kommt von außen:

„Ich bin stolz auf dich.“

Plötzlich steht die Wahrnehmung des anderen Menschen im Raum.

Eine Bewertung.


Ich bewerte das, was Du getan hast, als etwas, worauf ich stolz sein kann.

Das kann wunderschön sein.

Und gleichzeitig ist es eben eine Bewertung.



Wer entscheidet eigentlich, worauf jemand stolz sein darf?


Das ist für mich eine spannende Frage.

Denn Stolz ist ein Gefühl.

Und wenn ich sage:

„Ich bin stolz auf dich“

lege ich meine eigene Bewertung auf das, was der andere Mensch erlebt hat.


Vielleicht finde ich etwas großartig, was für den anderen Menschen überhaupt keine große Sache ist.

Vielleicht bin ich stolz auf eine Leistung, während der andere Mensch selbst ganz andere Dinge wichtig findet.

Vielleicht hat er etwas getan, weil es für ihn richtig war.

Nicht, um jemanden stolz zu machen.

Und vielleicht möchte er auch gar nicht von außen bewertet werden.


Das bedeutet nicht, dass Anerkennung schlecht ist.

Es bedeutet nur:

Anerkennung und Bewertung liegen manchmal sehr nah beieinander.

Und genau diese Grenze interessiert mich.



Der Fokus verschiebt sich

Bei diesem Satz nehme ich etwas anderes wahr als bei „Du schaffst das“.

Die Wolke wird weicher.

🌫️

Sie bleibt bläulich.

Aber die Konturen sind nicht mehr so scharf.

Sie ist welliger.

Emotionaler.

Da ist mehr Gefühl.

Mehr Wärme.

Mehr Möglichkeit für Verbindung.

Und das finde ich interessant.


Denn „Ich bin stolz auf dich“ hat für mich eine größere emotionale Öffnung als „Du schaffst das“.

Da ist ein Gefühl des Sprechenden.

Und dieses Gefühl kann eine Verbindung herstellen.

❤️


Trotzdem verändert sich auch hier der Fokus.

Da war vorher vielleicht ein Mensch, der von sich erzählt hat.

Der etwas geschafft hat.

Der stolz auf sich selbst war.

Der vielleicht voller Freude etwas teilen wollte.


Und dann kommt:

„Ich bin stolz auf dich.“


Plötzlich steht die andere Person stärker im Vordergrund.

Derjenige, der zuhört, fällt ein Urteil.

Er sagt:

Das, was Du getan hast, ist etwas, worauf ich stolz bin.

Und damit wird aus dem ursprünglichen Erleben des Menschen eine Bewertung von außen.


Was macht dieser Satz mit den eigenen Gefühlen?


Auch hier kann es interessant sein, einmal nach innen zu schauen.

Was passiert, wenn Du hörst:

„Ich bin stolz auf dich.“

Fühlt sich das warm an?

❤️


Vielleicht kommt Freude.

Vielleicht Erleichterung.

Vielleicht das Gefühl:

„Ich werde gesehen.“


Vielleicht entsteht ein ganz starkes Gefühl von Anerkennung.

Vielleicht berührt Dich dieser Satz.

Vielleicht tut er sogar richtig gut.

Und vielleicht passiert bei einem anderen Menschen etwas ganz anderes.

Vielleicht kommt Widerstand.

Vielleicht Druck.


Vielleicht die Frage:

„Warum bist Du stolz auf mich?“

Oder:

„Was genau hast Du eigentlich bewertet?“


Vielleicht entsteht das Gefühl:

„Ich möchte selbst entscheiden, ob ich stolz auf mich bin.“

Auch hier kann die eigene Geschichte eine Rolle spielen.


Wenn ein Mensch beispielsweise sehr stark über Leistung definiert wurde, kann Anerkennung von außen etwas ganz anderes auslösen als bei einem Menschen, der Anerkennung als sichere und liebevolle Zuwendung erlebt hat.


Deshalb finde ich es so wichtig, nicht nur auf den Satz zu schauen.

Sondern auf das, was er im Menschen bewegt.



„Das hast du dir verdient.“


Der dritte Satz:

„Das hast du dir verdient.“


Auch dieser Satz klingt zunächst freundlich.

Vielleicht sogar besonders wertschätzend.

Da hat jemand etwas erreicht.

Etwas Schönes bekommen.

Eine Belohnung.

Eine Anerkennung.

Eine Pause.

Einen Erfolg.


Und dann kommt:

„Das hast du dir verdient.“


Aber auch hier liegt eine Bewertung.

Denn wenn ich sage, dass jemand etwas verdient hat, bewerte ich von außen, dass ihm dieses Etwas zusteht.

Ich entscheide – zumindest sprachlich – darüber, was jemand verdient.


Und auch hier entsteht die Frage:

Nach welchem Maßstab?


Was muss ein Mensch tun, damit er etwas verdient?

Wie viel muss er leisten?

Wie viel muss er aushalten?

Wie viel muss er geben?

Und wann reicht es?


Diese Fragen hängen für mich in diesem Satz.

Denn „verdient“ kann sehr schnell mit Leistung verbunden werden.


Du hast genug getan.

Du hast genug geleistet.

Du hast genug ausgehalten.

Deshalb darfst Du jetzt etwas Schönes bekommen.

Und was ist, wenn jemand nichts Besonderes geleistet hat?

Darf er sich dann nicht freuen?

Darf er sich nicht ausruhen?

Darf er etwas Schönes bekommen?

Darf das Leben einfach schön sein?


Das sind die Gedanken, die dieser Satz bei mir auslöst.


Auch hier steht eine Bewertung im Raum


Wenn jemand sagt:

„Das hast du dir verdient.“

kann das liebevoll gemeint sein.

Vielleicht möchte derjenige anerkennen, wie viel ein Mensch geleistet hat.


Vielleicht möchte er ihm sagen:

Ich sehe, was Du getan hast.

Und das ist etwas Schönes.


Gleichzeitig kann der Satz aber auch vermitteln:

Du bekommst das, weil Du es verdient hast.


Und damit entsteht ein Zusammenhang zwischen Leistung und Erlaubnis.

Zwischen Tun und Bekommen.

Zwischen Anstrengung und Belohnung.

Und vielleicht ist dieser Zusammenhang für manche Menschen völlig stimmig.

Für andere vielleicht überhaupt nicht.



„Ich bin stolz auf dich“ und „Das hast du dir verdient“


Bei diesen beiden Sätzen sehe ich eine deutliche Gemeinsamkeit.

Beide enthalten eine Bewertung.


Bei:

„Ich bin stolz auf dich.“

bewerte ich das, was der andere getan hat, aus meiner eigenen emotionalen Perspektive.


Bei:

„Das hast du dir verdient.“

bewerte ich, dass der andere etwas verdient hat.

In beiden Fällen kommt etwas von außen.

Ein Maßstab.

Ein Urteil.

Eine Einschätzung.


Und auch hier kann die Absicht liebevoll sein.

Das möchte ich ausdrücklich stehen lassen.

Denn mir geht es nicht darum, diese Sätze zu verurteilen.

Mir geht es darum, wahrzunehmen, was sie möglicherweise zusätzlich transportieren.



Drei Sätze – drei unterschiedliche Wolken


Wenn ich die drei Sätze in meinen inneren Bildern nebeneinanderstelle, wird es spannend. 💭✨


„Du schaffst das.“


Eine klar umrissene, graublaue Wolke.

Flach.

2D.

Fast wie ein Stück Papier.

Eine Sprechblase zwischen zwei Menschen.

Eine Barriere.

Eine Grenze.

Eine Tür, die sich schließen kann.

🚪


„Ich bin stolz auf dich.“


Eine weichere, welligere Wolke.

Immer noch bläulich.

Aber emotionaler.

Weniger scharf begrenzt.

Da ist mehr Gefühl.

Mehr Möglichkeit für Kontakt.

Mehr Raum.

❤️


„Das hast du dir verdient.“


Hier war meine innere Wahrnehmung zunächst erstaunlicherweise fast leer.

Als wäre die Wolke noch nicht gefüllt.

Und vielleicht ist genau das passend.

Denn in diesem Satz steckt für mich sehr viel Bewertung, aber auch eine Art Festlegung.


Du hast es verdient.

Punkt.

Und plötzlich ist wieder etwas festgeschrieben.



Was haben diese drei Sätze gemeinsam?


Wenn ich alle drei Sätze zusammennehme, sehe ich eine Gemeinsamkeit:

Alle drei können eine Verbindung unterbrechen.

Und gleichzeitig können alle drei auch eine Verbindung herstellen.

Das klingt widersprüchlich.

Ist es aber vielleicht gar nicht.


Denn es kommt darauf an, was vorher da war und was beim anderen Menschen ankommt.

Da erzählt jemand etwas.

Er öffnet einen Raum.


Vielleicht erzählt er von einer Sorge.

Vielleicht von einem Erfolg.

Vielleicht von einem Wunsch.

Vielleicht von etwas, das ihn tief berührt.

Und dann kommt ein Satz von außen.


Du schaffst das.


Oder:

Ich bin stolz auf dich.


Oder:

Das hast du dir verdient.


Und damit verändert sich der Raum.

Der Fokus wandert.

Die Aufmerksamkeit geht weg vom ursprünglichen Erleben des Menschen und hin zu der Bewertung desjenigen, der den Satz ausspricht.

Das meine ich mit der Verschiebung.



Was passiert, wenn wir wirklich in Kontakt mit unseren eigenen Emotionen sind?


Für mich liegt hier noch eine ganz andere Ebene.

Denn wenn ein Mensch uns etwas erzählt, berührt das oft auch uns selbst.

Wir fühlen mit.

Wir spüren.

Wir reagieren.

Und das kann manchmal ziemlich intensiv sein.

Gerade feinfühlige Menschen kennen diese Situation vermutlich sehr gut.


Da sitzt jemand vor uns und wir merken:

Da ist gerade richtig viel.


Und gleichzeitig merken wir:

Da ist auch richtig viel in mir.


Vielleicht ist es Traurigkeit.

Vielleicht Angst.

Vielleicht Wut.

Vielleicht Hilflosigkeit.

Vielleicht sogar eine alte Erinnerung.


Und dann ist es wichtig, unterscheiden zu können:

Was gehört zu mir?

Was gehört zum anderen Menschen?

Was entsteht gerade zwischen uns?


Das ist für mich ein ganz wichtiger Teil von BewusstSeinsarbeit.

Nicht jedes Gefühl muss sofort verschwinden.

Nicht jedes Gefühl muss gelöst werden.

Manchmal darf ein Gefühl einfach erst einmal da sein.

🌿


Und das gilt auch für Gespräche.

Vielleicht muss nicht sofort eine Antwort her.

Vielleicht muss nicht sofort eine Lösung her.

Vielleicht muss nicht sofort ein kluger Satz gesagt werden.


Vielleicht ist manchmal das Wertvollste:

Da sein.

Einfach da sein.

Zuhören.

Aushalten.

Nachfragen.

Den Raum offenlassen.

Und dabei gleichzeitig bei sich selbst bleiben.



Eine offene Tür statt einer geschlossenen Tür


Wenn ich an mein Burgtor zurückdenke, verändert sich die Geschichte dadurch.

Vielleicht muss das Tor gar nicht vollständig geschlossen werden.

Vielleicht muss der Mensch auch nicht sofort in die Burg hinein.

Vielleicht treffen sich zwei Menschen einfach im Burghof.

🏰✨


Oder im Zwischengang.

Oder an einem kleinen geschützten Ort zwischen drinnen und draußen.

Ein Ort, an dem gerade nichts gelöst werden muss.

Ein Ort, an dem ein Gefühl einfach einmal da sein darf.


Vielleicht entsteht dort irgendwann etwas Neues.

Ein Gespräch.

Eine Erkenntnis.

Eine eigene Entscheidung.

Eine neue Perspektive.


Oder einfach nur das Gefühl:

Ich bin nicht alleine.

Vielleicht ist das manchmal viel hilfreicher als ein Satz, der alles sofort festlegt.



Was wäre, wenn der eigene Satz entstehen darf?


Ich finde es spannend, mit Worten zu spielen.

Nicht als Sprachregel.

Nicht als „So muss man es jetzt machen“.

Sondern einfach als Experiment. ✨


Aus:

„Du schaffst das.“

könnte beispielsweise etwas ganz anderes entstehen.

„Vielleicht schaffst Du es anders.“


Oder:

„Du musst gerade noch gar nicht wissen, wie Du das schaffst.“


Oder:

„Was brauchst Du gerade?“


Oder einfach:

„Ich bin da.“


Und vielleicht entsteht irgendwann aus dem Menschen selbst:

„Ich schaffe das.“


Das ist für mich ein großer Unterschied.

Denn dann kommt der Satz aus dem eigenen Inneren.

Nicht als Bewertung von außen.

Sondern als eigene Erkenntnis.



Und vielleicht geht es um viel mehr als diese drei Sätze


Während ich über diese drei Sätze nachdenke, merke ich wieder, wie schnell mein Kopfsalat größer wird. 🤯✨


Denn eigentlich geht es gar nicht nur um:

„Du schaffst das.“

„Ich bin stolz auf dich.“

„Das hast du dir verdient.“


Es geht um Worte überhaupt.

Um Sätze, die uns begleiten.

Um Sätze, die wir schon als Kinder gehört haben.

Um Sätze, die sich irgendwann tief in uns eingeprägt haben.

Um Glaubenssätze.

Um Stimmen im Kopf.

Um Aussagen, die wir vielleicht längst gar nicht mehr bewusst wahrnehmen und die trotzdem immer wieder auftauchen.


Vielleicht gibt es bei Dir einen Satz, den Du seit Jahren kennst.

Einen Satz, der immer wieder irgendwo in Dir auftaucht.


Vielleicht von Eltern.

Von Lehrern.

Von einem Partner.

Von einer anderen wichtigen Bezugsperson.


Vielleicht auch ein Satz, den Du irgendwann selbst übernommen hast.

Und vielleicht bemerkst Du erst heute:

Dieser Satz begleitet mich immer noch.


Vielleicht unterstützt er Dich.

Vielleicht begrenzt er Dich.

Vielleicht macht er Druck.

Vielleicht gibt er Sicherheit.

Vielleicht tut er weh.

Vielleicht ist er längst überholt.

Und vielleicht lohnt es sich, auch diesen Satz einmal als Wolke zu betrachten.

💭


Welche Farbe hat er?

Welche Form?

Ist er schwer?

Leicht?

Hart?

Weich?

Bewegt er sich?

Steht er zwischen Dir und einem anderen Menschen?

Oder steht er vielleicht sogar zwischen Dir und Dir selbst?



Worte dürfen sich verändern


Ich mag die Vorstellung, dass Worte nicht für immer festgelegt sein müssen.

Vielleicht kann eine alte Aussage verändert werden.


Ein Satz darf anders werden.

Eine Wolke darf ihre Farbe verändern.

Eine harte Kontur darf weich werden.

Eine geschlossene Tür darf sich wieder öffnen.

🚪✨


Und vielleicht verändert sich dadurch auch etwas in uns.

Ein neuer Satz heilt nicht plötzlich alles.

Aber wir beginnen, bewusst wahrzunehmen:


Was macht dieses Wort eigentlich mit mir?

Was löst dieser Satz aus?

Welche Gefühle kommen?

Welche Gedanken?

Welche Bilder?

Welche Körperempfindungen?


Vielleicht ist da gar kein Bild.

Vielleicht ist da eine Bewegung.

Vielleicht ein Geräusch.

Eine Melodie.

Eine Farbe.

Ein Druck im Körper.

Eine Wärme.

Ein Ziehen.


Oder einfach nur ein Gefühl, für das es noch gar keine Worte gibt.

Auch das ist Wahrnehmung.

Auch das darf sein. 🌈



Dein eigenes inneres Bild


Vielleicht hast Du Lust, einmal selbst mit einem Satz zu experimentieren.

Nimm irgendeinen Satz, der Dich begleitet.

Einen Satz, den Du oft gehört hast.


Oder einen, den Du Dir selbst immer wieder sagst.

Und dann schau einfach:

Wie sieht dieser Satz aus?


Vielleicht wird daraus eine Wolke.

Vielleicht eine Tür.

Vielleicht eine Mauer.

Vielleicht eine Farbe.

Vielleicht ein Gegenstand.

Vielleicht etwas ganz anderes.


Und dann verändere einmal ein Wort.

Nur ein einziges.

Und schau, was passiert.


Verändert sich das Bild?

Verändert sich das Gefühl?

Wird etwas weiter?

Wird etwas enger?

Wird etwas leichter?

Oder wird es sogar stärker?


Vielleicht möchtest Du den Satz aufschreiben.

Vielleicht malen.

Vielleicht zeichnen.

Vielleicht mit den Händen darstellen.

Vielleicht in Bewegung bringen.

Vielleicht eine Melodie dazu finden.

Oder vielleicht einfach nur sitzen und wahrnehmen.


Du musst daraus keine Methode machen.

Du musst auch kein Ergebnis produzieren.

Es geht einfach um die Begegnung mit Deinem eigenen inneren Erleben.



Und vielleicht bleibt am Ende eine Frage


Ich habe am Anfang drei Sätze in den Raum gestellt:

„Du schaffst das.“

„Ich bin stolz auf dich.“

„Das hast du dir verdient.“


Alle drei können liebevoll gemeint sein.

Alle drei können Anerkennung oder Ermutigung ausdrücken.

Und alle drei enthalten gleichzeitig eine Bewertung.


Bei „Du schaffst das“ wird die Fähigkeit des anderen bewertet.

Bei „Ich bin stolz auf dich“ steht die eigene emotionale Bewertung im Vordergrund.

Bei „Das hast du dir verdient“ wird bewertet, was jemand verdient hat.


Und trotzdem bleibt die entscheidende Frage für mich:

Was kommt beim anderen Menschen an?


Was löst ein Satz aus?

Welche Gefühle werden berührt?

Welche eigenen Erfahrungen werden aktiviert?

Entsteht Nähe?

Entsteht Druck?

Entsteht Kraft?

Entsteht Widerstand?

Öffnet sich ein Raum?

Oder geht eine Tür zu?

🚪✨


Ich kann Dir darauf keine allgemeingültige Antwort geben.

Und das möchte ich auch gar nicht.

Denn vielleicht empfindest Du diese drei Sätze vollkommen anders als ich.


Vielleicht ist „Du schaffst das“ für Dich ein Satz, der Dich trägt.


Vielleicht fühlt sich „Ich bin stolz auf dich“ für Dich wunderbar warm an.

Vielleicht bedeutet „Das hast du dir verdient“ für Dich pure Anerkennung.

Vielleicht löst einer dieser Sätze aber auch etwas ganz anderes aus.

Das finde ich spannend.


Es geht nicht um die Frage, welcher Satz nun richtig oder falsch ist.

Sondern:

Was passiert in Dir, wenn Du ihn hörst? 💭❤️✨


Vielleicht magst Du diesem Gefühl einmal ein bisschen Raum geben.

Ohne es sofort zu erklären.

Ohne es verändern zu müssen.

Einfach wahrnehmen.

Und vielleicht entsteht daraus Dein ganz eigener Satz.

Dein eigenes Bild.

Deine eigene Wahrheit.


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